Online-Vortrag findet tolle Resonanz

Solarexperte Prof. Eicke Weber skizzierte den „Weg ins Solarzeitalter“

Wie schaffen wir den Übergang ins Solarzeitalter? Dieser Frage stellten sich am vergangenen Montag der Physiker und Solarforscher Prof. Eicke Weber und der Ortsverband Region Bühl von Bündnis 90/Die Grünen. Es war eine erfolgreiche Premiere – 80 Teilnehmer trafen sich online über eine Videokonferenz.

„Wir zerstören die Stabilität des Klimas“, warnte Eicke Weber gleich zu Beginn seines Vortrags und verwies auf Studien des Weltklimarates. Demnach bleiben nur noch zehn Jahre Zeit, um zu verhindern, dass „kritische Schwellenwerte überschritten werden“. Weber war zehn Jahre lang Leiter des renommierten Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Er war außerdem Professor für Physik/Solarenergie an der Universität Freiburg und engagiert sich heute unter anderem bei „Scientists for Future“.

In der online übertragenen Präsentation erläuterte er zunächst mit einigen Folien sehr anschaulich den Zusammenhang zwischen dem Anstieg des Treibhausgases CO2 und dem Anstieg der Temperatur. Über Eiskernbohrungen in der Antarktis ist es gelungen, sehr genaue Daten zu der jeweiligen Situation der CO2-Konzentration und der Temperatur bis zu 800.000 Jahre zurück zu gewinnen. In diesem Zeitraum wurde ein Maximalwert von 280 ppm CO2 nicht überschritten. Im Wesentlichen durch den wachsenden Energiehunger der Erdbevölkerung und dem damit verbundenen Verbrennen fossiler Energieträger (Kohle, Öl, Gas) hat sich die CO2-Konzentration alleine in den letzten gut 60 Jahren von ca. 320 ppm auf 415 ppm dramatisch erhöht. Prof. Weber schilderte eindringlich, dass diese Erhöhung als wesentliche Ursache des Klimawandels mit den sehr vielen heute schon bekannten Auswirkungen zu sehen ist. Dazu zählen u.a. steigende Temperaturen, Stürme mit 300 km/h und mehr, Dürren, Überschwemmungen, steigende Meeresspiegel sowie Veränderungen von Luft- und Meeresströmungen, die ihrerseits wieder weitere Auswirkungen induzieren. Auch das Erreichen von so genannten Klima-Kipppunkten, die zu irreversiblen Entwicklungen im Klimageschehen und in der Folge dann zu einer weiteren Verschärfung des Klimawandels führen, wird mit jeder weiteren Erhöhung der CO2-Konzentration immer wahrscheinlicher.

Auf Grund dieser Entwicklungsszenarien kam Prof. Weber zu der klaren Folgerung, dass die Transformation des Energiesystems dringend erforderlich ist. Dazu zählen nach seinen Ausführungen eine verbesserte Energieeffizienz für Gebäude, Transport / e-Mobilität und Produktion, ein rascher Ausbau der regenerativen Energien (Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse) in Richtung auf eine Zukunft mit 100% regenerativen Energien und die konsequente Weiterentwicklung von Energie-Speichertechnologien. Ebenso ist der Ausbau des Stromnetzes für dezentrale Einspeisung, weiträumigen Transport und intelligenten Verbrauch sowie die Integration des Strom-, Gas- und Wärmenetzes notwendig.

Prof. Eicke Weber schilderte den ca. 80 interessierten Teilnehmern des Online-Vortrages sehr eindrücklich das Potenzial der Solarenergie: Rund 23.000 Terawatt-Jahr Energie könnte man permanent auf der Erde über festem Boden für die Stromerzeugung „ernten“. Demgegenüber steht ein weltweiter Bedarf von derzeit ca. 16 Terawatt-Jahr und eine Bedarfsprognose für das Jahr 2050 von ca. 28 Terawatt-Jahr. Und dabei ist die Energiequelle Sonne nach menschlichen Zeitmaßstäben unerschöpflich, ganz im Gegensatz zu den endlichen fossilen Energieträgern.

Weitere sehr interessante Ausführungen zur technischen Entwicklung der Photovoltaik-Module rundeten den Vortrag ab. Im Anschluss an den Vortrag erläuterte der Landtagsabgeordnete Hans-Peter Behrens von Bündnis 90/Die Grünen, dass Baden-Württemberg deshalb in Sachen Photovoltaik vorangehe und künftig die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf Gebäuden, die nicht zu Wohnzwecken dienen, vorschreibe. Die weitergehende Forderung der Grünen, Photovoltaik-Anlagen auch auf Wohngebäuden vorzuschreiben, hätten allerdings die Christdemokraten verhindert. Außerdem sieht Behrens schließlich ein „sehr großes Potenzial“ in der Nutzung der Solarenergie in der Landwirtschaft. Er macht sich jetzt im Landtag in Stuttgart dafür stark, dass dieses Potenzial auch gehoben werden kann.

Nico Paulus moderierte schließlich die Runde zu den Fragen, die über den eingerichteten Chat von den Teilnehmern gestellt werden konnten. Die Veranstalter erhielten insgesamt sehr positive Rückmeldungen zu dieser rundum gelungenen Veranstaltung.

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